<br /> - Dr Nikolaus Größing - Zentrum Neurochirurgie Salzburg

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Wie wir behandeln > Klassische Medizin

Bedrängungssyndrome peripherer Nerven
Die peripheren Nerven verbinden sozusagen unser Gehirn mit unserem Körper. Berührungsimpulse, die Stellung des Körpers im Raum, Kälte und Hitzeempfindungen, all dies wird von den Nerven über das Rückenmark in unser Gehirn geleitet. Andererseits werden die Bewegungsimpulse vom Gehirn an die Muskeln gebracht, was erst eine gezielte Bewegung unserer Hände, Beine ja des gesamten Körpers ermöglicht.
Gerade im Bereich des Armes finden sich zwei Engstellen, durch die zwei der großen Armnerven hindurchmüssen, der Ellbogen und das Handgelenk. Hier können der Ellennerv (am Ellbogen und im Handgelenk) bzw. der Mittelnerv (im Handgelenk) bedrängt sein. Als Ursache kommen natürlich Verletzungen mit nachfolgender Narbenbildung in Frage, viel häufiger findet man aber keine Ursache für die Bedrängung. Klnisch spricht man dann vom „Sulcus nervi ulnaris – Syndrom" (Bedrängung des Ellennerv im Ellbogenbereich) bzw. vom Carpal-Tunnel-Syndrom (CTS), bei dem der Mittelnerv (Nervus medianus) im Handgelenksbereich bedrängt ist.
Das Carpal-Tunnel-Syndrom (CTS)
Symptome
Der lateinische Namen des CTS „Brachialgia paraesthetica nocturna" ist eigentlich die perfekte Beschreibung der Symptome. Er bedeutet übersetzt „Nächtlicher Armschmerz mit Gefühlsstörungen". Typischerweise klagen die Patienten über Schmerzen in der Hand (Daumen bis Ringfinger), die in den Unterarm, manchmal sogar bis in die Schulter ausstrahlen. Verbunden sind diese Schmerzen meist mit einem tauben Gefühl oder unangenehmen Mißempfindungen in dem gleichen Areal. Die Beschwerden sind meist so stark, dass die Patienten in den frühen Morgenstunden aufwachen, die hand dann schütteln müssen, damit der Schmerz vergeht.
Ursachen
Die Ursache der Beschwerden ist ein Bedrängung des Mittelnervs im Handgelenksbereich durch das so genannte Ligamentun carpi transversum, ein Band das an der Beugeseite den Kanal, durch den der Nerv in Richtung der Handfläche tritt, abschließt. Dieses Band kann sich durch meist unbekannte Ursache verdicken, wodurch der Nerv zuwenig Platz hat. Der nächtliche Schmerz entsteht durch einen Blutstau im der Nervenhülle, da in der Nacht durch fehlende Bewegung der Finger das Blut in zu geringem Maße in Richtung Herz zurückgepumpt wird. Schütteln der Hand führt vermehrter Durchblutung, damit wird der Blutstau beseitigt und die Schmerzen nehmen ab, bzw. verschwinden.
Das taube Gefühl entsteht durch Bedrängung der einzelnen Nervenfasern und ist meist durch Handbewegung nicht verdrängbar. Ist das CTS schon fortgeschritten, kann auch ein Muskel betroffen sein. Die Patienten klagen dann häufig über Schwierigkeiten, Schraubverschlüsse aufzumachen („Flaschdreh-Zeichen positiv").
Ist ein CTS einmal klinisch verdächtig, sollte umgehend eine neuro-physiologische Untersuchung durchgeführt werden. Dabei wird die Zeit gemessen, die ein elektrischer Impuls vom Unterarm in den Daumenballen benötigt. Ist diese Zeit verlängert ist der endgültige Beweis für ein CTS erbracht.
Therapiemöglichkeiten
Die konservative Therapie mit Lagerungsschienen, lokaler Infiltration von Cortison oder auch physikalischer Therapie bringt meist nur kurzfristig Linderung, eine Heilung ist aber in den meisten Fällen auszuschließen.
Die beste Therapie ist wohl die operative Durchtrennung des bedrängenden Bandes. Dabei wir ein kleiner Schnitt im Handgelenk gemacht und in kurzer Vollnarkose das Band vollständig durchtrennt. Der Vorteil der offenen Operation (im Vergleich zur sogenannten endoskopischen) ist, dass nach der Banddurchtrennung der Nerv inspiziert werden kann und allfällige Verwachsungen der Nervenhülle ebenfalls gelöst werden können. Die Operationsdauer liegt zwischen 15 und 30 Minuten, der Patient/die Patientin kann am nächsten Tag das Krankenhaus wieder verlassen.

                                             
Abb.1: Die Schnittführung bei offener CTS Operation      Abb.2: Das weiße, bedrängende Band ist sichtbar               Abb.3: Der Nerv ist freigelegt

Erfolgsaussichten
Der nächtliche Schmerz ist bereits in der ersten Nacht nach der Operation weg, der Schlaf wird zum ersten mal nach längerer Zeit wieder ungestört sein. Inwieweit sich Gefühlsstörungen und/oder muskuläre Schwäche zurückbildet ist leider nicht vorherzusagen, da die Regeneration des Nervs nicht bestimmbar ist. Sicher kann aber gesagt werden, dass ohne Operation sich die Situation immer mehr verschlechtern würde.

Das Sulcus – nervi – ulnaris Syndrom
Ähnlich wie beim CTS kann auch der Ellennerv meist im Ellbogenbereich bedrängt sein. Auch hier finden sich Schmerzen im Unterarm, ausstrahlen in den Kleinfinger und den halben Ringfinger oft ebenfalls verbunden mit Gefühlsstörungen. Diese Beschwerden haben nicht mit dem Tennis- oder Golferellbogen zu tun, die eine gänzlich andere Ursache haben (siehe Themenbereich Sportmedizin – Golf).
Immer wieder vorkommende Verletzungen, Überbelastungen und viele andere Dinge führen zu einer Bedrängung des Ellennervens.
Auch hier ist nach erfolgter neuro-physiologischer Abklärung eine operative Sanierung als sinnvollste Therapiemöglichkeit anzusehen.


                                                                    

                                   Abb.4: Der Ellennerv ist aufgesucht                                                              Abb.5: Der Ellennerv ist von Bedrängungen freigemacht




 
 
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